Sensationsfund in Aschaffenburg: 2.400 Jahre Geschichte unter unseren Füßen

Manchmal schreibt eine Baustelle Geschichte – im wahrsten Sinne des Wortes. Was im Frühjahr 2026 bei Tiefbauarbeiten am Mainufer zunächst wie ein gewöhnlicher Holzfund aussah, hat sich inzwischen als einer der bedeutendsten archäologischen Funde der vergangenen Jahrzehnte in Mitteleuropa herausgestellt.

Im Rahmen der Bauarbeiten für ein Regenüberlaufbecken nördlich der Willigisbrücke stießen Arbeiter in rund acht Metern Tiefe auf massive Eichenbalken. Aufgrund ihres außergewöhnlich guten Erhaltungszustands gingen die Fachleute zunächst davon aus, dass die Hölzer aus der frühen Neuzeit stammen. Erst aufwendige dendrochronologische Untersuchungen (Jahresringanalyse) sowie weitere C14-Datierungen brachten die Überraschung ans Licht: Die Balken stammen aus der Zeit zwischen etwa 370 und 250 vor Christus – also aus der Eisenzeit und sind rund 2.400 Jahre alt.

Ein Fund von europäischer Bedeutung

Die freigelegte Anlage ist fast 40 Meter lang und besteht aus horizontal verbauten Eichenbalken in Verbindung mit einer Trockensteinmauer. Diese Bauweise ist nach derzeitigem Forschungsstand in dieser Form einzigartig in Mitteleuropa und stellt bisherige Erkenntnisse über die Baukunst der Eisenzeit in Frage.

Archäologen vermuten, dass es sich um eine aufwendig errichtete Hafenanlage oder ein Uferbauwerk handelt. Sollte sich diese Annahme bestätigen, wäre dies ein weiterer bedeutender Beleg dafür, dass Aschaffenburg bereits mehrere Jahrhunderte vor der Römerzeit ein wichtiger Handels-, Wirtschafts- und Machtstandort gewesen sein könnte.

Vorbildlicher Umgang mit einem Zufallsfund

Der Fund zeigt eindrucksvoll, welche Schätze noch heute unter unseren Städten verborgen liegen. Nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz handelt es sich um einen klassischen Zufallsfund. Durch das umsichtige Vorgehen aller Beteiligten konnten die archäologischen Untersuchungen unmittelbar beginnen.

Um die außergewöhnlich gut erhaltenen Eichenhölzer zu schützen, werden sie während der Grabungen kontinuierlich bewässert und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Nur so kann verhindert werden, dass das jahrtausendealte Holz nach seiner Freilegung austrocknet und beschädigt wird.

Geschichte als Chance für Aschaffenburg

Der Sensationsfund macht deutlich, wie reich die Geschichte unserer Stadt ist. Während vielerorts Geschichte lediglich in Büchern nachzulesen ist, wird sie in Aschaffenburg derzeit direkt am Mainufer freigelegt.

Die laufenden Ausgrabungen werden in den kommenden Monaten sicherlich weitere spannende Erkenntnisse liefern. Schon heute steht jedoch fest: Dieser Fund besitzt weit über Bayern hinaus wissenschaftliche Bedeutung und rückt Aschaffenburg in den Fokus der internationalen Archäologie.

Als Junge Union Aschaffenburg sehen wir darin auch eine große Chance. Solche Entdeckungen stärken das historische Bewusstsein für unsere Heimat, fördern Forschung und Wissenschaft und können langfristig auch einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Attraktivität unserer Stadt leisten. Wir freuen uns auf die weiteren Ergebnisse der Ausgrabungen und sind gespannt, welche Geheimnisse unsere Stadtgeschichte noch bereithält.

Ein Blick hinter die Kulissen

Auch die Mitglieder des Aschaffenburger Stadtrats hatten die besondere Gelegenheit, die Grabungsstelle im Rahmen einer Besichtigung zu begehen und sich vor Ort ein Bild von diesem außergewöhnlichen Fund zu machen. Gemeinsam mit den verantwortlichen Archäologinnen und Archäologen wurden die bisherigen Erkenntnisse erläutert und die Dimension des Bauwerks eindrucksvoll veranschaulicht.

Der direkte Einblick machte deutlich, mit welcher Sorgfalt die wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt werden und welch herausragende Bedeutung der Fund für die Stadtgeschichte Aschaffenburgs und die archäologische Forschung besitzt. Solche Gelegenheiten sind selten und zeigen eindrucksvoll, dass kommunale Infrastrukturprojekte nicht nur die Zukunft unserer Stadt gestalten, sondern mitunter auch faszinierende Einblicke in ihre über 2.400 Jahre alte Vergangenheit ermöglichen.

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